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Intelligentes Depot- und Lademanagement bei der ESWE

Die Umsetzung von Elektro­mobilität verlangt mehr, als neue E-Busse anzuschaffen. Sie erfordert Weit­blick, Team­geist und digitale Werk­zeuge, die im Hinter­grund wirken. Bei der ESWE Verkehrs­gesellschaft mbH in Wiesbaden zeigt sich, was nötig ist, wenn der Wandel nicht nur auf dem Papier stattfinden soll. Wie das gelingt und welche Rolle das integrierte Depot- und Lade­management dabei spielt, erzählt Geschäfts­führerin Marion Hebding im Interview.

Wiesbaden, Deutschland

Elektromobilität bedeutet nicht nur einen Technologie­wechsel – sie verändert ganze Betriebs­abläufe. Warum ist die Umstellung auf E-Mobilität für die ESWE Verkehr so zentral und wie gestalten Sie diesen Trans­formations­prozess konkret?

Für die ESWE Verkehr ist die Umstellung auf Elektro­mobilität ein fester Bestandteil der Unternehmens­strategie. Als kommunales Verkehrs­unternehmen übernehmen wir dabei eine Vorbild­funktion für die Landes­haupt­stadt Wies­baden und leisten einen zentralen Beitrag zu den städtischen Klima- und Nach­haltigkeits­zielen. Für einen leisen und emissions­freien Öffentlichen Verkehr kombinieren wir den Ausbau der Lade­infrastruktur mit einem voraus­schauenden Betriebs­hof­konzept und einer konsequenten Weiter­entwicklung unserer Betriebs­abläufe. Damit diese Trans­formation gelingt, brauchen wir gut geschulte Mitarbeitende und Transparenz über Betriebs­geschehen und zur Situation auf dem Betriebs­hof, damit wir den Wandel Schritt für Schritt und mit Blick auf den täglichen Betrieb gestalten können. 

Das Zusammenspiel von Lade­planung, Fahrzeug­disposition und Betriebs­einsatz ist komplex. Wie unterstützt das integrierte Depot- und Lade­management der IVU dabei, diese Abläufe reibungs­los zu steuern? 

Das integrierte Depot- und Lade­management ist der zentrale Dreh- und Angel­punkt für unsere tägliche Betriebs­steuerung. Das System verbindet Lade­bedarfe, Umlauf­planung und Fahrzeug­verfügbar­keit. So lässt sich präzise steuern, welches Fahr­zeug wann und wo lädt – abgestimmt auf Reich­weite, Fahrzeug­typ und aktuelle Netz­last. Die Software schlägt automatisch passende Lade­fenster und Abstell­plätze vor und erleichtert damit unseren Mitarbeitenden den Alltag erheblich. Auch die enge Verzahnung zwischen den Bord­rechnern und der Mitarbeitenden-App IVU.pad vereinfacht die tägliche Arbeit: Stell­plätze werden automatisch zugewiesen und Schäden lassen sich bereits während der Fahrt an die Leitstelle melden. So weiß die Werk­statt schon vor der Rück­kehr, wo sie gebraucht wird. Gleich­zeitig erlaubt das System eine voraus­schauende Betriebs­steuerung, etwa wenn sich Lade­eng­pässe oder Abweichungen früh abzeichnen. 

Wie erleichtert die digitale Leitstellen­lösung den Alltag in der Betriebs­steuerung und welchen Mehr­wert erleben Ihre Teams im täglichen Einsatz? 

Der größte Mehr­wert der digitalen Leitstelle liegt in ihrer Transparenz. Sie liefert jederzeit ein voll ständiges Lage­bild der aktuellen Betriebs­situation unserer Bus­flotte. Störungen, Fahrzeug­verfügbar­keiten und Lade­zustände mit akkuraten Reichweiten­prognosen sind zentral gebündelt und auf einen Blick sichtbar. So können unsere Mitarbeitenden gezielt reagieren, Fahr­zeuge tauschen oder Lade­zeiten anpassen. Die Kommunikation mit dem Fahr­personal und der Werk­statt erfolgt direkt über das IVU-System, wodurch Rück­fragen seltener werden und Maßnahmen schneller greifen. Das erhöht die Betriebs­sicherheit und sorgt für einen verläss­licheren Fahr­plan, den auch unsere Fahr­gäste spüren. Ein besonderer Vorteil für die Verfügbarkeit der Elektro­bus­flotte ist die voraus­schauende Lade­prognose. Selbst wenn ein Fahrzeug vorübergehend kein Signal sendet, bleibt das System­handlungs­fähig: Es rechnet mit dem letzten bekannten Wert und bezieht ihn in die Planung ein. So behält die Leit­stelle jederzeit den Über­blick und kann sicher disponieren.

Mit der integrierten System­landschaft der IVU entsteht die Basis für eine weit­gehend auto­matisierte Fahrzeug­disposition. Welches Ziel verfolgen Sie damit und welchen Unter­schied soll das künftig im Betrieb machen?

Unser Ziel ist es, nicht nur die Elektro­mobilität intelligent zu steuern, sondern den gesamten Fuhr­park vom Elektro- bis zum Diesel­bus einzubinden. Grundlage dafür ist eine gemeinsame Daten­basis in Verbindung mit einem integrierten Ortungs­system. So behalten wir den Überblick über alle Fahrzeuge im Depot und im Linien­betrieb. Rück­meldungen an die Leit­stelle sowie Dienst- und Umlauf­informationen lassen sich künftig schneller und einfacher bereit­stellen. Das spart Zeit, reduziert Miss­verständ­nisse und stärkt die Akzeptanz bei unseren Fahrer­innen und Fahrern. Parallel testen und entwickeln wir die integrierte Umlauf­planung weiter, um Umläufe system­gestützt zu optimieren und den Fahrzeug­einsatz noch effizienter zu gestalten. Die einheitliche Daten­basis ermöglicht es, Entscheidungen zu treffen und Veränderungen klar zu kommunizieren. Lang­fristig erweitert die ESWE Verkehr ihr zukunfts­fähiges System, das Ressourcen optimal nutzt, Konflikte automatisch löst, die Kommunikation vereinfacht und dafür sorgt, dass jedes Fahrzeug zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist – unabhängig vom Antrieb.

Übersicht ESWE Verkehr

Mitarbeitendeca. 1.100
Fahrzeuge270 Busse (119 E-Busse)
Länge Buslinienca. 700 km
Fahrgästeca. 59 Mio. jährlich
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