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Mobilitätswende gestalten: Fachkräftegewinnung bei den Stadtwerken Bonn

Der Fachkräfte­mangel stellt Verkehrs­unternehmen vor wachsende Heraus­forderungen – und macht deutlich, wie eng eine nach­haltige Mobilitäts­wende mit der Verfügbar­keit qualifizierter Menschen zusammen­hängt. Wie lassen sich neue Fach­kräfte gewinnen und lang­fristig binden? Welche Rolle spielt die Digitalisierung, wenn es darum geht, Dienste fairer, transparenter und attraktiver zu gestalten? Und wie gelingt der Einstieg für Quer­einsteigerinnen und Quer­einsteiger sowie internationale Fach­kräfte? Darüber spricht Anja Wenmakers, Geschäfts­führerin bei den Stadtwerken Bonn, im Interview.

Bonn, Deutschland

Für eine nachhaltige Mobilitäts­wende ist ein starker Öffentlicher Verkehr unerlässlich. Um den Fahrgästen ein attraktives Angebot bereit­zustellen, braucht es qualifiziertes und ausreichend vorhandenes Personal. Dem gegenüber steht der Fachkräfte­mangel. Welche Maßnahmen ergreifen Sie bei den Stadt­werken Bonn, um diesen Dissens zu überwinden?

Die Mobilitäts­wende gelingt nur mit engagierten und qualifizierten Mitarbeitenden. Uns ist bewusst, dass der Fachkräfte­mangel eine zentrale Heraus­forderung darstellt. Deshalb setzen wir bei den Stadt­werken Bonn auf ein ganz­heitliches Maßnahmen­paket. Wir investieren kontinuierlich in unsere Ausbildungs­angebote, unter­stützt durch die VDV-Akademie, in der ich als Vorstands­mitglied mit wirken darf. Quer­einsteigern bieten wir eine systematische Einarbeitung. Darüber hinaus bauen wir neben klassischen Recruiting-Kanälen auch Partner­schaften mit inter­nationalen Arbeits­vermittlungen auf, bieten Sprach­kurse und Integrations­hilfen an.

Als starke und positiv besetzte Arbeit­geber­marke positionieren wir uns mit fairer Vergütung und einer hohen Arbeits­platz­sicherheit. Zudem investieren wir kontinuierlich in die Verbesserung der Arbeits­bedingungen, wie beispiels­weise durch ergonomische Arbeits­plätze, klimatisierte Fahr­zeuge oder technische Assistenz­systeme. 

Wie gelingt es Ihnen, einerseits die Zufrieden­heit der Mitarbeitenden zu fördern und anderer­seits die organisatorische Komplexität zu verringern? 

Flexible Arbeitszeit­modelle sind ein wichtiger Schlüssel, um die Attraktivität der Arbeits­plätze zu steigern, insbesondere im Schicht­betrieb. Bei der Einsatz­planung unterstützt uns die Dispositions­software mit deren Hilfe wir Schichten bedarfs­orientiert, fair und transparent planen, die individuellen Wünsche der Mitarbeitenden berücksichtigen und gleichzeitig den Personal­einsatz optimieren. Darüber hinaus testen wir in enger Abstimmung mit dem Betriebs­rat neue Arbeitszeit­modelle und legen einen starken Fokus auf regel­mäßige Feedback­gespräche mit unseren Mitarbeitenden.

Die Verkehrs­branche befindet sich im digitalen Wandel. Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei den Stadt­werken Bonn und wohin geht die Reise in den kommenden Jahren? 

Die Digitalisierung ist für uns kein Selbst­zweck, sondern ein zentrales Werkzeug, um unseren Service zu verbessern, Prozesse zu verschlanken und neue Mobilitäts­angebote zu schaffen. Unsere Fahr­gäste profitieren von digitalen Echtzeit­informationen, Mobilitäts-Apps und der Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen. Auf der betrieb­lichen Seite beschäftigen wir uns langfristig mit dem Einsatz von Fahr­assistenz­systemen bis hin zum autonomen Fahren. Durch die Analyse unserer Verkehrs­ströme sind wir in der Lage, Fahrpläne und Linien­führungen bedarfs­gerecht anzupassen – mit dem Ziel, unsere Fahrzeuge effizienter und klima­freundlicher zu gestalten. Zur Digitalisierung gehört für uns auch die voraus­schauende Instand­haltung, um so auf Basis von Echtzeit­daten die Wartungs­intervalle anzupassen und Stand­zeiten zu reduzieren. Beispiels­weise werden die Reifen­profile der Busse automatisch geprüft, sobald sie über eine Sensorik-Schwelle in die Halle einfahren. In der Kommunikation mit dem Fahr­personal setzen wir verstärkt auf digitale Möglich­keiten, um die Abläufe einfacher und flexibler zu gestalten – immer als Ergänzung zur persönlichen Kommunikation.

Übersicht Stadtwerke Bonn

Mitarbeitende2.560
Länge Buslinien663 km
Länge Tramlinien125,36 km
Fahrgäste 92 Mio. jährlich
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