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Attraktiv trotz Fachkräftemangel: Der Weg der Verkehrsbetriebe Biel

Der Fachkräfte­mangel trifft auch den Öffentlichen Verkehr und fordert kreative Lösungen. Wie die Verkehrs­betriebe Biel mit ihren 240 Mitarbeitenden darauf reagieren, erzählt Christine Maier im Interview. Ihr Ansatz: attraktive Arbeits­bedingungen, echte Entwicklungs­chancen und eine Unternehmens­kultur, die verbindet. Gleichzeitig nutzen die Verkehrsbetriebe Biel die Potenziale der Digitalisierung, um Prozesse zu optimieren und Mitarbeitende zu entlasten.

Biel, Schweiz

Der Fachkräftemangel stellt viele Verkehrs­betriebe in Europa vor große Heraus­forderungen und erschwert es, den Fahr­gästen einen zuverlässigen Service zu bieten. Wie begegnen die Verkehrs­betriebe Biel diesen Heraus­forderungen? 

Es ist wichtig, neue Mitarbeitende zu finden, aber noch wichtiger ist es, Mitarbeitende zu halten. Attraktive Anstellungs­bedingungen sind dafür entscheidend. Dabei spielt nicht nur der Lohn eine Rolle, sondern auch Weiter­bildungs­möglichkeiten, Urlaubs­tage oder Treue­prämien.

Daneben ist die Unternehmens­kultur essenziell, sie prägt den Umgang miteinander und die Art der Zusammen­arbeit. Daran haben wir in den letzten Jahren intensiv gearbeitet und werden weiterhin Anstrengungen unternehmen, unsere gemeinsame „DNA“ zu stärken. So haben wir zum Beispiel unsere Werte stärker in die Beurteilungen integriert und achten bei Neu­einstellungen gezielt auf den „Wertefit“. Die Führungskräfte sind für die Unternehmens­kultur zentral, weshalb wir die letzten Jahre viel in ihre Ausbildung investiert haben. 

Zusätzlich arbeiten wir an unserem Image. Wir zeigen, wie abwechslungs­reich und spannend unsere Berufe sind. Dabei heben wir hervor, dass Arbeiten im Öffentlichen Verkehr nicht nur Spaß macht, sondern auch sinn­stiftend ist.

Für einen störungs­freien Betrieb ist eine gute Verständigung beispiels­weise zwischen Fahr­personal und Leit­stelle notwendig. Können digitale Lösungen dabei helfen, Sprach­barrieren abzubauen und so einen flüssigen Betriebs­ablauf unterstützen? 

Im Störungs­fall, etwa bei einem Unfall oder Stau, ist bei uns die persönliche Kommunikation zwischen Fahr­personal und Leit­stelle nach wie vor der wichtigste Kanal. Seit der Einführung des Digital­funks vor ein paar Jahren hat sich die Qualität deutlich verbessert. Aber es bleibt die Heraus­forderung der Sprache – insbesondere bei uns in Biel – mit der Zweisprachigkeit. Digitale Lösungen spielen bei der Kunden­information im Störungs­fall eine wichtige Rolle. Textbau­steine helfen bei Störungs­informationen und Routen­vorschläge für die Kunden. Besonders hervorzuheben ist der vollständig digitale Prozess bei Fahrzeug­störungen: Von der Erfassung mit Standard­texten und Fotos über die Weiter­leitung an die Werk­statt bis hin zur Material­bestellung im Lager – alles wird digital abgewickelt. Das hilft Fehler zu vermeiden und die Qualität zu verbessern – nicht nur aufgrund der Sprache. 

Die Mobilitäts­wende prägt den Wandel in der Verkehrs­branche. Welche Prioritäten setzen die Verkehrs­betriebe Biel für die kommenden fünf Jahre und welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist für uns von zentraler Bedeutung. Wir haben dafür vier Prioritäten definiert: Erstens planen Biel und die umliegenden Agglomerations­gemeinden im Rahmen des „öV Konzepts 2035“ einen umfassenden Angebots­ausbau. Diesen so kunden­freundlich und kosten­günstig mitzugestalten ist eine unserer Prioritäten bis 2027. Zweitens elektrifizieren wir bis 2031 unsere komplette Busflotte, ein erster Schritt wird bis 2027 realisiert. Diese Umstellung stellt das geplante Angebots­wachstum sicher. Eine moderne Flotte eröffnet zudem neue technische und digitale Möglichkeiten, wie Fahr­assistenz­systeme oder kontinuierliches Fahrzeug­monitoring zur proaktiven Störungs­vermeidung. Der dritte Schwer­punkt ist ein neues Depot für unseren größeren Fahrzeug­park. Dort planen wir ein umfassendes Energie­management unter Berücksichtigung unserer Busse, Seil­bahnen und der Nutzung von „Second-Life-Batterien“. Ebenfalls denken wir über Auto­matisierungs­prozesse, wie zum Beispiel automatisiertes Parken, nach, um dem Fachkräfte­mangel entgegen­zuwirken. In den letzten Jahren haben wir sehr viel digitalisiert, etwa durch die Einführung von ERP, IVU.pad oder Office 365. Was dabei zentral ist: Die neuen Werkzeuge müssen angewendet werden. Daher ist der vierte Schwer­punkt die Ausbildung unserer Mitarbeitenden, um das Beste aus der Digitalisierung heraus­zuholen.

Übersicht Vekehrsbetriebe Biel

Mitarbeitende 240
Fahrzeugerund 60 Busse
Strecke229,2 km
Fahrgäste jährlich 18. mio.
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