Personalgewinnung für den Schienenersatzverkehr der Riedbahn
Der Hochleistungs-Schienenersatzverkehr (SEV) für die Generalsanierung der Riedbahn stellte DB Regio Straße vor erhebliche logistische und organisatorische Herausforderungen. Wie lässt sich ein Schienenersatzverkehr in dieser Größenordnung zuverlässig planen und umsetzen? Und wie können digitale Systeme dabei die entscheidende Unterstützung bieten? Dr. Arne Schneemann, Vorstand von DB Regio Straße, berichtet im Interview von der Suche nach Fahrpersonal, der langfristigen Bindung von Fahrerinnen und Fahrern sowie Softwarelösungen, die die Verständigung zwischen Personal mit unterschiedlichen Muttersprachen ermöglichen.
Mit dem Hochleistungs-Schienenersatzverkehr (SEV) für die Riedbahn hat DB Regio neue Maßstäbe in Qualität und Service gesetzt. Dieses Niveau wäre ohne ausreichendes Fahrpersonal nicht möglich gewesen. Wodurch ist es Ihnen gelungen, innerhalb kürzester Zeit hunderte Fahrerinnen und Fahrer zu rekrutieren?
Die Rekrutierung war angesichts des bestehenden Fachkräftemangels keine leichte Aufgabe. Wir haben uns daher bewusst entschlossen, nicht nur im gesamten Bundesgebiet, sondern auch im europäischen Ausland intensiv um Fahrpersonale zu werben.
Es macht uns stolz, dass wir für den Ersatzverkehr Riedbahn rund 400 Personale aus 14 europäischen Ländern gewinnen und damit auch zusätzliche Fachkräfte in den angespannten Arbeitsmarkt nach Deutschland holen konnten. Ausschlaggebend für den Erfolg war ein attraktives Gesamtpaket. Pluspunkte waren neben einer marktüblichen Bezahlung vor allem die Unterbringung in kostenfreien und nah am Einsatzort gelegenen Wohnungen sowie ein umfassendes Onboarding.
Im Gegensatz zum klassischen Linienverkehr im Stadt- oder Überlandbereich ist der Schienenersatzverkehr örtlich und zeitlich klar begrenzt. Durch die Generalsanierung des Streckennetzes der Bahn sind weitere Einsätze in vergleichbarem Umfang zu erwarten. Wie flexibel kann das Fahrpersonal auf diese Anforderungen reagieren und mit welchen Maßnahmen sichern Sie langfristig die Bindung Ihrer Fahrerinnen und Fahrer?
Wir haben viel gelernt aus der Rekrutierung und über das Onboarding von vielen Fahrpersonalen aus dem Ausland.
Wir sehen, wie wichtig die Unterstützung nach der Ankunft in Deutschland und vor Ort war, etwa von Integrationsmanagerinnen und -managern. Diese Angebote waren ausschlaggebend, ob sich ausländische Fachkräfte für die DB entschieden haben und auch längerfristig bleiben wollten. Auch mehrsprachige Schulungsunterlagen und die Anmeldung in der jeweiligen Landessprache auf den Bordrechnern der Busse sind von den Fahrpersonalen sehr gut angenommen worden und sorgten für Handlungssicherheit.
Die gesamte Busgruppe von DB Regio profitiert von den Erfahrungen im Recruiting und den eingesetzten Instrumenten im Onboarding, die während des SEV Riedbahn gesammelt wurden. Diese lassen sich auf anstehende Ersatzverkehre bei Korridorsanierungen und Linienverkehre übertragen.
Die Planung und Umsetzung eines hochwertigen SEV ist komplex. Digitale Systeme können dabei eine entscheidende Unterstützung leisten. In welchem Maße kann IT helfen mit ortsfremdem Personal zeitlich beschränkte Verkehre effizient und in hoher Qualität durchzuführen? Und wie kann Software bei der Verständigung zwischen Personal mit unterschiedlichen Muttersprachen beitragen?
Im SEV Riedbahn konnten wir in den neuen dafür ausgestatteten Bussen IT und digitale Features in einem bis dahin noch nie dagewesenen Umfang im Ersatzverkehr einsetzen. Fahrpersonale haben davon ebenso profitiert wie Fahrgäste. Nachweislich hat dies zur hohen Qualität des Verkehres beigetragen.
Einer der Schlüssel für einen pünktlichen Ersatzverkehr liegt in der Streckenkenntnis des meist ortsunkundigen Fahrpersonals. Neben Einweisungsfahrten ist das IT-gestützte Routing via integriertem Navigationsgerät eine wichtige Stütze während des Betriebs. Neue Maßstäbe im Ersatzverkehr hat der Einsatz der IT für unsere Fahrgäste in der Reisendeninformation mit Auskünften zu Ankunft, Anschlüssen und Verspätungen in Echtzeit, automatischen Haltestellenansagen und Fahrtzielanzeigen gesetzt. Nur mit einer umfassenden Digitalisierung des Arbeitsplatzes konnten wir die Voraussetzungen schaffen, um den komplexen Ersatzverkehr auf der Riedbahn mit vielen Fahrpersonalen aus dem Ausland in hoher Qualität auf die Straße zu bringen.
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